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  • Kalligraphie und Picasso

    Stand:08.08.2017

    Yang Jianwen


    Was haben traditionelle chinesische Kalligraphie und kubistische Malerei von Pablo Picasso gemeinsam? Professor Yang Jianwen aus Shanghai sieht viele Parallelen, vor allem in der Mehrdimensionalität. Das Freiburger Konfuzius-Institut zeigt eine Ausstellung mit seinen Werken, in denen er Gedichte, Kalligraphie und Malerei verbindet.

    Bei der Ausstellungseröffnung im Freiburger Konfuzius-Institut, erläuterte der chinesische Künstler und Gelehrte Yang Jianwen seine kalligraphischen und poetischen Schöpfungen.

    Stein, Holz, Papier und Tinte – viel mehr braucht es nicht, um damit die wunderbaren geschwungenen chinesischen Schriftzeichen zu produzieren. Striche, Linien, Punkte –Schriftzeichen, die doch gleich viel mehr als reine Schrift sind. Jeder dieser Punkte, Linien und Striche hat eine tiefere, unmittelbar erdverbundene und zugleich symbolische Bedeutung. Jedes Zeichen ist auch ein Lebenselement. Chinesische Kalligraphie ist auch eine Einheit von Malerei und Literatur.

    Professor Yang geht zunächst davon aus, dass die traditionelle chinesische Kalligraphie eine dynamische Perspektive hat und verschiedene Dimensionen beinhaltet. Eben so, wie die kubistischen Porträts, die Picasso gemalt hat, auf denen gleichzeitig das Seitenantlitz und das Gesicht von vorne zu sehen sind. Kalligraphie schafft also eine Räumlichkeit, die weit über unsere Schrift hinausgeht. Es sind gemalte Bilder.

    Letztlich geht es um den Zeitpunkt, an dem wir einen Gegenstand normalerweise betrachten, erklärt Yang Jianwen. Es ist dieser eine Moment, doch wenn wir die Position wechseln dann ist der Augenblick des Betrachtens auch schon vorbei. Dagegen hat Picasso angemalt und dem entgegen steht auch die Kalligraphie: denn hier besteht die Gleichzeitigkeit.

    Die zweidimensionale Perspektive, von ihm auch „zweidimensionale   Räumlichkeit“ genannt, formuliert Yang Jianwen nach einer chinesischen Weisheit über die Kalligraphie: „Links drehen, rechts neigen, im Wandel nach der Einheit streben“.

    Bereits vor 1700 Jahren erkannten chinesische Dichter und Gelehrte den Zusammenhang zwischen Kalligraphie und Malerei. Für Yang Jianwen steht bei all seinen Werken jedoch außer Frage, dass er ein Schriftzeichen wirklich ändern würde. Er bereichert sie aber, indem er ihre Bedeutung unterstreicht, wenn er zum Beispiel große Punkte hinzufügt, die für den Mond stehen.

    Es ist eine Einheit, Schriftzeichen, Gemälde und Poesie. „Die Kunst gibt Freiheit und eint uns, sie erlaubt uns zu experimentieren“, beschwört Professor Jiang, Rektor der Shangahi International Studies University, in ausgezeichnetem Deutsch zu Beginn der Ausstellungseröffnung, bevor er zum Treffen mit Professor Hans-Jochen Schiewer, dem Rektor der Uni Freiburg, eilt.


     (gemäß de.shisu.edu.cn)

    Quelle: German.xinhuanet.com, 29.07.2017