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  • China und Deutschland – Ein gelungenes Buch und sehr herzliche Worte von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder

    Stand:15.10.2017

    Eine besondere Gabe hielt SHI Mingde, Botschafter der VR China in Berlin, für die Besucher des Empfangs am 28.9.2017 im Haus am Märkischen Ufer bereit: Frisch aus Beijing eingeflogen eine Festschrift aus Anlass des 45. Jahrestages der am 11.10.1972 aufgenommenen diplomatischen Beziehungen zwischen der VR China und Deutschland. Der Titel: „45 Jahre gemeinsamer Weg“.

    Im Vorwort des von CHAI Ye, früherer Korrespondent von Guangming Daily in Deutschland, herausgegebenen Bandes, erinnert Ideengeber Shi daran, dass sich in diesen 45 Jahren weltpolitische Veränderungen bislang unbekannten Ausmaßes ergeben hätten. Auch die Lage in China und Deutschland im Jahre 1972 sei mit den heutigen Verhältnissen kaum vergleichbar. China habe sich aus der damaligen Armut heraus zur zweitgrößten Volkswirtschaft und zu einem Staat mit erheblichem Einfluss auf internationaler Ebene entwickelt. Und die Beziehungen beider Länder seien heute führend in den chinesisch-europäischen Beziehungen.

    Der Band selbst lässt in Einzelinterviews 21 deutsche und chinesische Augenzeugen der Entwicklung der bilateralen Beziehungen aus verschiedenen historischen Phasen und Arbeitsgebieten zu Wort kommen, sei es aus Wirtschaft (etwa Dr. Martin Posth – VW; Heinrich von Pierer Siemens), Kultur (etwa TANG Muhai – Dirigent und Schüler von Karajan und Bernstein) oder auch Fußball (CHEN Yang – erster chinesischer Spieler in der Fußball-Bundesliga bei Eintracht Frankfurt; Klaus Schlappner – erster ausländischer Trainer der chinesischen Nationalmannschaft). Aus dem diplomatischen Bereich kommen u.a. zu Wort der inzwischen 93jährige WANG Zhu (Teilnehmer an den Verhandlungen zur Aufnahme der diplomatischen Beziehungen), MEI Zhaorong (Botschafter in Deutschland während des deutschen Einheitsprozesses), der frühere deutsche Botschafter in Beijing Dr. Michael Schäfer oder auch Erika Schödel, Gattin des früheren deutschen Botschafters Günther Schödel und in ihrer Kindheit in Beijing aufgewachsen. Aber auch Personen werden gehört, die in ganz konkreten einzelnen Lebensbereichen Marksteine für die deutsch-chinesische Freundschaft gesetzt haben: So beispielsweise General XIONG Guangkai („Die Verbundenheit eines chinesischen Generals mit Deutschland“), der pfälzische Fleischermeister Karl-Heinz Gass (engagiert für den Aufbau einer modernen Fleisch- und Wurstproduktion in China und „Botschafter der Freundschaft des chinesischen Volkes“) und Frau Petra Schnell-Klöppel, Leiterin des Burg-Gymnasiums in Essen, das als einzige Schule in Essen und eine der wenigen im Ruhrgebiet Chinesisch als reguläre Fremdsprache anbietet.

    Nicht fehlen durfte in diesem Band vor allem Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, von Botschafter Shi als ein „alter Freund und Vertrauter des chinesischen Volkes und engagierter Förderer der bilateralen Zusammenarbeit“ bezeichnet. Die Worte Schröders sind geprägt von einer großen Wertschätzung Chinas, aber auch von einer großen emotionalen Nähe zu dem Land. So erinnert Schröder etwa an seine sehr persönlichen Begegnungen mit dem früheren Premierminister ZHU Rongji, u.a. dessen Einladung in Schröders kleine Privatwohnung in Hannover und das gemeinsame Betrachten eines Fußballspiels im Fernsehen. Oder er erinnert daran, wie er sich bei der VR China für die versehentliche Bombardierung der chinesischen Botschaft im Kosovo Konflikt ohne Abstimmung mit der NATO aus Überzeugung entschuldigt habe – ja, Gerhard Schröder war ein Kanzler der klaren Worte und des geraden Weges. Er war es auch, der den gemeinsamen Rechtsstaatsdialog mit China begründete und damit dem „China-Bashing“ durch manche deutschen Journalistenkreise einigen Wind aus den Segeln nahm. Gewürdigt wird ebenso der große Einsatz der früheren Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Gerade Helmut Schmidt habe China auch noch nach seiner Kanzlerschaft besucht, als er bereits älter als 90 Jahre gewesen sei. Eine Nähe, so möchte man ergänzen, die in den Büchern von Helmut Schmidt ebenfalls Ausdruck gefunden hat. Eine große Bedeutung misst Schröder neben dem dichten Geflecht von Wirtschaftsbeziehungen dem kulturellen Austausch bei: Beide Länder seien nämlich alte Kulturnationen, die einander viel zu geben hätten. Und Schröder wird, was besonders erfreut, auch sehr persönlich: Seine jüngere Tochter sei mit ihrem Mädchenchor in Shanghai und Beijing aufgetreten, die ältere Tochter habe an der Fudan Universität Mandarin studiert. Ebenfalls sympathisch-persönlich ist es wenn Schröder ausführt, dass er privat ebenfalls gerne nach China reise. Und als besonders bewegendes Erlebnis schildert er, wie er in Chengdu einen kleinen Panda auf dem Arm gehabt und mit einem Apfel gefüttert habe.

    In der ihm eigenen Art findet Schröder aber zugleich klare und deutliche Worte zu Fragen der Gegenwart: Gerade im Lichte der Positionen der Trump-Regierung müsse Europa ein vitales Interesse daran haben, noch enger und entschiedener mit China zusammenzuarbeiten. Und er begrüßt, dass es zwischen beiden Ländern nicht nur den Warenaustausch gebe, sondern auch die Kapitalbeteiligung. Die Firma Putzmeister sei ein gutes Beispiel. Nachdem Chinesen die Mehrheit im Unternehmen übernommen hätten, habe die Firma eine positive Entwicklung. Das zeige, dass man keine Angst vor chinesischen Investoren haben müsse: „Im Gegenteil, es ist hilfreich.“

    Mein persönliches Fazit: Ein großartiges Buch, das durch das beeindruckende Interview mit dem Alt-Bundeskanzler zusätzlich aufgewertet wird. Wir können Botschafter Shi für dieses Projekt nur herzlich danken.

    von Dr. Michael Borchmann

    Ministerialdirigent a.D. (Land Hessen)

    Mitglied des Justizprüfungsamtes Hessen

    Beirat der CIIPA des Handelsministeriums der VR China



    Quelle: de.china-ino24.com, 13.10.2017

    http://de.china-info24.com/germany/beo/20171013/274953.html?from=singlemessage&isappinstalled=0